Ein Zeichen, das sich selbst wieder abschaltet
Bei den meisten Nährstoffen läuft die Frage auf eine Menge hinaus: wie viel vorhanden ist, wie viel hereinkommt, wie viel liegen bleibt. Bei dem hier beschriebenen Vorgang trägt diese Frage nicht weit. Was zählt, ist der Zeitpunkt, an dem sich die Konzentration ändert, und das Tempo, mit dem sie danach wieder auf ihren Ausgangswert fällt.
Pumpen, die im Ruhezustand am meisten zu tun haben
Solange nichts geschieht, arbeiten die Pumpen ununterbrochen. Sie ziehen Calcium aus dem Zellsaft heraus — nach außen und in den inneren Speicher — und halten den niedrigen Wert im Inneren damit auf einem schmalen Band. Erst dieser aufwendig gehaltene Ausgangszustand macht den kurzen Anstieg überhaupt lesbar. Ohne Stille gibt es kein Zeichen.
Sekunden, nicht Stunden
Die aufgezeichneten Spitzen dauern Sekunden, in manchen Zelltypen Bruchteile davon. Danach ist der Ausgangswert wiederhergestellt und der nächste Anstieg möglich. Ein Vorgang von dieser Länge lässt sich an einer einzelnen Mahlzeit nicht ablesen, und eine Messung zu einem einzigen Zeitpunkt gibt den Verlauf nicht wieder.
Dasselbe Ion, unterschiedlich getaktet
In Zellkulturen ist beschrieben, dass sich die Anstiege in Höhe, Dauer und Abstand voneinander unterscheiden und dass nachgeschaltete Eiweiße auf verschiedene Muster verschieden ansprechen. Ein und derselbe Stoff kann so mehr als eine Information tragen. Das erklärt das wissenschaftliche Interesse, sagt für sich genommen jedoch nichts über ein Lebensmittel aus.
Ab hier spricht nur noch die Verordnung
Alles Vorstehende stammt aus der zellbiologischen Fachliteratur und gehört nicht zu dem, was ein Anbieter aussagen darf. Gesundheitsbezogene Formulierungen sind in der Europäischen Union nur zulässig, sofern sie vorab begutachtet und in ein Register eingetragen wurden; beurteilt wird dabei immer ein Nährstoff zusammen mit genau einem Themenfeld. Für Calcium und dieses Themenfeld liegt ein Wortlaut vor, und er gilt so, wie er dasteht:
Calcium hat eine Funktion bei der Zellteilung und -spezialisierung
Gemäß Verordnung (EU) Nr. 432/2012
Auffällig ist das Verb. Ein großer Teil der Einträge dieser Liste ist mit „trägt bei“ formuliert; hier steht stattdessen „hat eine Funktion bei“. Beide Wendungen sind festgelegt, und keine darf durch die andere ersetzt werden. Genannt sind ein Mineral und zwei Vorgänge, sonst nichts: keine Menge, kein Gewebe, kein Lebensalter, nichts zu Schlaf, zu Konzentration oder zur Stimmungslage.